Die Digitalisierung im deutschen Mittelstand

Der deutsche Mittelstand ist eine wichtige Säule der heimischen Wirtschaft und verantwortlich für rund 30% des in Deutschland erzielten Umsatzes. Jedoch gibt es immer wieder fortlaufende Diskussionen, ob der digitale Fortschritt und das Potential in mittelständischen Unternehmen noch oft zu sehr vernachlässigt wird.

 

Laut einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey Ende 2016 geht hervor, dass Deutschland nur 10% seines Digialisierungspotentials ausschöpft und damit im europäischen Vergleich, der bei 12% liegt, unterdurchschnittlich abschneidet. Bis 2025 wäre eine zusätzliche Wertschöpfung zwischen 374 und 603 Mrd. EUR p.a. möglich, wenn Deutschland zu den Spitzenreitern in Sachen Digitalisierung aufsteigen würde. Davon entfallen ca. 126 Mrd. EUR auf den Mittelstand. Diese Wertschöpfung kann aus gezielten Produktivitäts- und Effektivitätssteigerungen erzielt werden. Eine solche Produktivitätssteigerung kann beispielsweise durch die Digitalisierung der Reisekostenabrechnung stattfinden. Laut einer Studie von HRS und der GBTA Foundation (2015) können 53 € pro Reisekostenabrechnung an Prozesskosten mithilfe von digitalen Lösungen eingespart werden.

 

Dabei wird deutlich, dass die Relevanz der Digitalisierung im Mittelstand angekommen ist, Handlungen aber schleppend vollzogen werden. In einer Umfrage von Techconsult in 2016 gaben 72% der Befragten an, dass das Thema Digitalisierung für sie wichtig oder sehr wichtig ist. Dabei herrscht jedoch eine große Lücke zwischen größeren und kleineren mittelständischen Unternehmen. Für 90% der Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten wird das Thema Digitalisierung für eine Notwendigkeit gehalten, wohingegen nur die Hälfte der kleineren Unternehmen mit bis zu 9 Mitarbeitern dies so sehen. Auch branchenspezifisch gibt es deutliche Unterschiede. Für Fertigungs- und Dienstleistungsunternehmen hat der digitale Wandel die größte Relevanz, im Gegensatz zu Unternehmen der Baubranche, in der nur jedes fünfte Unternehmen Digitalisierung als wichtig empfindet.

 

Allgemein fällt die Selbsteinschätzung der Unternehmen bezüglich ihres bisherigen Digitalisierung-Fortschritts unverhältnismäßig positiv aus. Viele Unternehmen, die ihren eigenen Digitalisierungsgrad als hoch einschätzen, überschätzen sich sehr wahrscheinlich stark und verkennen weitere Wertschöpfungspotentiale durch Optimierungen von digitalen Prozessen. Eine der größten Herausforderungen für mittelständische Unternehmen ist es aber auch digitale Fachkräfte für sich zu gewinnen, was sich aufgrund von Standortnachteilen und eines grundsätzlich eher weniger attraktiven Images ergibt.

 

     

                Damit der digitale Wandel im Unternehmen vollzogen wird, muss dieser von der Führungsebene                          priorisiert werden

 

Oft wird in mittelständischen Unternehmen jedoch vergessen, dass nicht immer große finanzielle und personelle Ressourcen benötigt werden, wie sie nur größere Konzerne zur Verfügung haben, um eine digitale Transformation herbeizuführen. Mit ein wenig Eigeninitiative seitens der Unternehmen können gewisse Eigenschaften in mittelständischen Unternehmen teils auch vorteilhaft sein, um digitale Transformationen erfolgreich anzustoßen.

 

1. Priorisierung des digitalen Wandels

Von den Vorteilen einer Digitalisierung der Prozesse im Unternehmen muss das ganze Unternehmen und insbesondere die Führungsetage überzeugt sein. Nur durch eine Priorisierung des digitalen Wandels kann dieser auch zügig implementiert werden.

 

2. Nutzen kurzer Entscheidungswege

Die relativ überschaubare Größe kleiner und mittelständischer Unternehmen hilft, um schnelle Entscheidungen herbeizuführen und vereinfacht die Umsetzung neuer digitale Prozesse. Bestehende Prozesse können leichter an die neuen digitalen Gegebenheiten angepasst werden.

 

3. Unterstützung digitaler Fachkräfte

Um digitale Fachkräfte trotz Standortnachteilen anzuziehen, bedarf es mittelständischen Unternehmen mehr Sichtbarkeit unter potentiellen Fachkräften. Dies kann beispielsweise durch Angebote und Unterstützung entlang des Bildungsweges erreicht werden.

 

Alles in allem gibt es in mittelständischen Unternehmen noch Einiges in Sachen Digitalisierung nachzuholen. Die Voraussetzungen dafür stehen in den meisten Unternehmen gut, jedoch hängt am Ende auch vieles von der Eigeninitiative des einzelnen Unternehmens ab.

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